Walsafari in Norwegen

Pottwale vor den Vesteralen

Die beste Möglichkeit in Norwegen Wale zu beobachten bietet sich auf den Vesterålen. Natürlich kann man mit etwas Glück an der ganzen Küste auf Wale treffen, aber vor den Vesterålen ist die Wahrscheinlichkeit am größten.
Wir haben bei unseren Reisen nach Andenes immer versucht, das Wetter zu berücksichtigen. Die Vorentscheidung fiel meistens schon auf der Fähre von Bognes nach Lodingen. Je nach Wetterlage ging es sofort hoch auf die Vesterålen oder erst auf die Lofoten. Vor Ort haben wir 2-3 Tage eingeplant, denn zum einen sind die Schiffe manchmal ausgebucht, oder das Wetter spielt nicht mit.

Übernachtet haben wir bisher immer auf dem Campingplatz in Bleik. Hier können wir uns gut auf die Walsafari einstimmen und auch 1-2 Tage entspannen. Mitternachtssonne und andere Wetterphänomene sind inklusive 🙂

Seit unserem letzten Besuch vor 20 Jahren hat sich Andenes sehr verändert. Es sind jetzt vielmehr Wohnhäuser da und die norwegischen Supermarktketten haben auch ihre Filialen im Ort. Wir fahren direkt zum Gebäude der Hvalsafari AS am roten Leuchtturm und stellen das Womo auf den kleinen Parkplatz ab.

Beim betreten des Foyers mache ich erst einmal kehrt. Edle Steinfliesen auf dem Fußboden, Ledersessel, Halogenstrahler und Glasvitrinen. Bin ich in einer Bank oder im Hotel gelandet? Nein, das ist die Rezeption von Hvalsafari AS. Kein Vergleich zu unserer Tour in 1990. Damals sind wir mit einem echten Walfänger aufs Meer. In Winter hat der Wale geschossen und im Sommer uns Touris zu den Walen gebracht 😳

Die Anmeldung erfolgt zunächst auf Englisch, aber nach kurzer Zeit übernimmt ein deutsch sprechender Mitarbeiter das Prozedere. Wir könnten um 14:30 Uhr oder um 15:00 Uhr fahren. Laut Anmeldeliste sind schon über 80 Teilnehmer bei der ersten Tour dabei. Außerdem wäre es das alte, traditionelle Schiff. So wähle ich die späte Abfahrt mit dem Katamaran. Eine gute Wahl, wie sich später zeigen sollte.
Ich bin gleich zurück zum Womo um die Fotoausrüstung vorzubereiten. Meine Frau kommt kurz darauf auch zurück um schnell das Mittagessen zu kochen. Im ungünstigen Fall bekämen wir also Nudeln mit Fleischsoße zweimal über die Zunge. 🙂

Als wir zur verabredeten Zeit an der Rezeption eintreffen, bezahlen wir die 2.100 NOK und erfahren, dass sich die Abfahrt um mindestens 45 Minuten verschieben wird. Prima, je später umso besser, – weil besseres Licht.

Die Ausgabe der Pillen gegen Seekrankheit verpassen wir knapp, – macht aber nichts, denn wir wollten es sowieso ohne probieren. Zunächst wird uns der Weg zum Hafen beschrieben, denn die Schiffe fahren nicht von dem Anleger hinter dem Walzentrum ab, sondern vom 900 Meter entfernten Hafen.

Dann geht es mit der Gruppe in einen Kellerraum, der den Charme einer alten Garage hat. 😀

Ein spanischer Guide gibt uns dort an einem Walskelett einige Erklärungen zu den Pottwalen. Die Qualität dieser Erläuterungen ist von Guide zu Guide unterschiedlich. Einmal hatten wir eine Meeresbiologin dabei, die mit einem unheimlich großen Fachwissen aufwarten konnte. Leider konnte sie dies vor der großen Gruppe nicht in verständliche und flüssige Worte fassen. Diesmal werden wir auf die bevorstehende Tour eingestimmt und bekommen Hinweise, wie wir einen Wal auf hoher See erkennen und die Art unterscheiden können.

Um sich vorstellen zu können, was sich nach dem Abtauchen des Wals in der Tiefe abspielt, ist in einem abgedunkelten Raum eine Unterwasserszene mit einem Pottwal und Riesenkalmar nachgestellt.

Nachdem der Rundgang durch die Ausstellung beendet ist, begeben sich die Teilnehmer auf eigene Faust zum Hafen und warten auf das Schiff.

Nach 16 Uhr kündigen kräftigen Motorengeräusche die Ankunft des Schiffes Maan Dolphin an.

Als alle Passagiere von Bord sind, geht der Maat mit einem Wasserschlauch um das Boot um grün-gelbe Spuren von den Bordwänden abzuspülen. War es dass, wonach es aussah?


Also die gelb-grünen Spuren waren genau dass, was wir vermuteten.

Am Hafen von Andenes warten inzwischen etwa 70 – 80 Personen darauf, an Bord der Maan Dolphin zu gehen. Nachdem unsere Tickets mit der Teilnehmerliste abgeglichen sind, dürfen wir über eine schmale Gangway an Bord. Der Passagierraum im Schiffsinneren erinnert ein wenig ans Flugzeug. Die typischen (verschlissenen) Sitze, Staufächer darüber und Bildschirme an der Decke.

Beim Auslaufen gibt es eine Sicherheitsunterweisung auf Video, außerdem erhalten alle Kinder bis 12 Jahre orange Rettungswesten, die sie an Bord tragen müssen. Danach stellt sich die Crew, beziehungsweise die wissenschaftlichen Begleiter, vor. Die Erklärungen an Bord werden in Englisch, Deutsch, Französisch, Norwegisch, Italienisch und Spanisch vorgetragen

Kurz nach verlassen des Hafens kommt der „Aha“ – Effekt, denn das Schiff ist nicht nur schnell sondern es schaukelt auch ganz schön.
Schnell ist es durch die beiden 1300KW starken Motoren von MTU. Damit kann das Schiff bis auf 32,6 Knoten beschleunigt werden. Mit dieser Motorisierung und dem knapp 40 Meter langen, sowie 9,60 Meter breiten Schiffsrumpf kann es wunderbar von Welle zu Welle hüpfen. 🙂

Der Seegang ist kaum zu erkennen aber trotzdem so heftig, dass das Schiff hin und her geschüttelt wird. Mit 32 Knoten, etwa 45 Km/h, pflügen wir auf den Atlantik hinaus.
Im Passagierraum können wir uns Kekse, Kräcker, Tee und Kaffee nehmen. Zu diesem Zeitpunkt sind allerdings die kleinen Tüten hinter den Sitzen die begehrtesten Utensilien.

Als der Kapitän die Geschwindigkeit drosselt, dürfen wir auch an Deck. Der Ausgang zum Bug des Schiffes befindet sich vorne links im Passagierraum und wird erst geöffnet, wenn das Schiff angehalten hat. Wer also im vorderen Teil das Passagierraums Platz nimmt, ist schneller bei den Walen. 😉

Auf dem schrägen Bug sind hintereinander Geländer angebracht, so können die Passagiere in vier oder fünf Reihen hintereinander stehen und aufs Meer schauen. Das Oberdeck im Heck und Mittelschiff ist ebenfalls begehbar.

Für die Safari habe ich unsern Junior auch mit Kamera und Tele ausgestattet. Dann haben wir vielleicht die doppelte Bildausbeute und verschiedene Blickwinkel. Er ist ganz stolz und schleicht sich aufs Vorschiff. Ich möchte (wegen dem anderen Blickwinkel) vom Backborddeck mein Glück versuchen. Hier ist der Aufenthalt manchmal unangenehm, denn wenn der Kapitän das Schiff in der Strömung treiben lässt, steigen dicke Abgasschwaden über das Schiff. Zwar unsichtbar, aber trotzdem sehr beißend in den Augen und Atemwegen.

Alle starren wir gebannt aufs Meer hinaus. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich in ziemlich großer Entfernung den Blas, also die typische Fontäne die ein Pottwal beim ausatmen erzeugt, entdecke.

Die Crew nimmt den Hinweis dankbar auf und fragt auf der Brücke nach. Daraufhin dreht das Schiff und fährt mit voller Fahrt in Richtung Wal.

Der ist leider nur kurz zu sehen, denn beim eintreffen des Schiffes lässt er sich absinken, ohne die markante Rückenflosse zu zeigen.
Die Suche geht weiter und die Wellen schütteln uns heftig durch. Als wir nach 20 Minuten immer noch keinen Wal gefunden haben, steuert der Kapitän das Schiff noch weiter hinaus aufs Meer.

Wir sind jetzt 32 Kilometer vor der Küste und die Dünung sorgt für Achterbahn-Feeling. Nach Angaben der Crew waren sie in diesem Jahr noch nie so weit draußen. Für manch einen wird die Tour zur Qualsafari und einige werden wegen Seekrankheit leider keinen einzigen Wal zusehen bekommen.

Nach weiteren 20 Minuten wird der nächste Wal entdeckt. Rasch steuert der Kapitän das Schiff drauf zu, nimmt aber die letzten Meter die Fahrt zurück und lässt uns ganz langsam in Richtung Wal treiben. Während Junior vom Bug aus fotografiert, versuche ich mein Glück vom Heck. Irgendwann dreht das Boot in Richtung Sonne.

Jetzt kann ich vom Heck überhaupt nichts mehr sehen. Schnell wechsele ich die Seiten, aber hier ist auch nichts zu machen. Also schnell nach vorn, Treppe runter, durchs Schiff nach vorn und wieder Treppe rauf. Als ich vorn ankomme höre ich schon den begeisterten Ausruf der Leute und sehe gerade noch wie die Walfluke verschwindet.


:kopfmauer:

Ich bin ziemlich sauer, aber vorn am Bug steht Junior und grinst, denn er hat den Wal fotografiert. 😀

Naja, immerhin etwas. Hoffentlich finden wir noch einen weiteren Wal.

Tja, meine Aufnahme von der Walflosse im Gegenlicht hat leider nicht hingehauen. Deshalb gehe ich auf Nummer sicher und suche am Schiffsbug ein Plätzchen.

Es vergehen wieder 20 bis 30 Minuten bis wir den nächsten Wal entdecken.

Aber diesmal ist alles perfekt. Der Kapitän steuert langsam um den Wal, sodass jetzt auch Fotos mit der Küstenlinie möglich werden. Der Wellengang ist so heftig, dass der Horizont auf einigen Fotos 45° Schräglage hat. Aber das macht nichts, denn diesmal bekommen wir mit beiden Kameras gute Schnappschüsse hin.

Inzwischen hat sich das zweite Schiff aus Andenes bis zu uns vorgearbeitet. Das alte Holzschiff ist mächtig am Schwanken und anscheinend nicht so wendig wie der Katamaran. Gemeinsam mit der MS Reine warten wir auf den nächsten Wal. Die Kapitäne stellen beide Schiffe abwechselnd ins Sonnenlicht, damit die Teilnehmer der Tour gegenseitig die Schiffe fotografieren können.


Wenn man das Bild oben mit dem unten vergleicht, kann man in etwa erkennen, wie stark die Dünung die Schiffe auf und ab bewegt hat.

Jetzt können die Teilnehmer gegenseitig die Boote fotografieren und gemeinsam auf den Wal warten. Der taucht schließlich in der Nähe auf und von beiden Booten beginnt das knipsen.

Inzwischen ist ein drittes Schiff eingetroffen. Es ist die Walsafari aus Stø, die ebenfalls am Bleikcanyon die Pottwale sucht. Aufgrund der längeren Anfahrt, dauert die Tour doppelt so lang wie von Andenes.

Wir beobachten derweil Ismael, einen Pottwal mit markanter Rückenfärbung, der bereits seit mehreren Jahren vor Andenes beobachtet wurde. Die Pottwale bilden hier vor Norwegen übrigens eine reine Herrenrunde, denn die Weibchen befinden sich mit ihren Kälbern in wärmeren Gewässern.

Als das dritte Schiff fast in Reichweite ist, taucht Ismael in die Tiefen des Bleikcanyon hinab.

Für uns ist die Show jetzt beendet. Die Passagiere werden aufgefordert, sich schnell ins Schiffsinnere zu begeben, damit die vorderen Luken verriegelt werden können.
Im Fahrgastraum werden wieder die bekannten Tüten gereicht, aber wir futtern Kräcker und Kekse.
Jetzt wird uns auch die eigentliche Funktion der ausgegebenen Tabletten klar. Wenn die Wirkung gegen die Folgen der Seekrankheit ausgeblieben ist, sorgen sie bei dem Tüteninhalt immerhin für einen sehr, sehr intensiven Pfefferminzgeruch. Damit soll wahrscheinlich eine Kettenreaktion im Fahrgastraum unterbunden werden. 🙂

Während der Fahrt sichten wir schon mal die ersten Bilder und freuen darauf im Womo die Füße lang zu machen. Dieses ständige Ausgleichen der Schiffsbewegungen geht nämlich ganz schön in die Beine. Nach einer knappen Stunde schaukelnder Fahrt stehen wir, immer noch leicht schwankend, wieder an Land.

Pottwale vor den Vesteralen – Epilog

Die Veranstalter von Walsafaris in Norwegen geben eine „Walgarantie“. Sollte bei einer Tour kein Wal zu sehen sein, darf man bei einer späteren Tour kostenlos mitfahren. Unter dem Suchbegriff Walsafari Norwegen gibt das Netz die nötigen Links zu den Veranstaltern.

In den vergangenen Jahren lag das Zielgebiet der Walsafaris nord-westlich von Andenes. Die Schiffe sind also nach verlassen des Hafens scharf links abgebogen und dann 10 -20 Kilometer westlich gefahren. Im letzten Jahr (2012) sind die Schiffe erstmals geradeaus aus dem Hafen gefahren und waren schon nach knapp 10 Minuten bei den Walen.

Sichtungen
Eine Walsichtung wird es eigentlich immer geben. Ob diese gut oder nicht so gut sind muss jeder für sich entscheiden.

Hier waren wir zwar unmittelbar am Wal, aber durch die Lichtverhältnisse war er nur schwer auszumachen.


Auch diese Begegnung zählt als Wal-Sichtung, ist aber nicht dass, was wir uns wünschen.
Bei unseren Touren haben wir jeweils 3 – 4 Wale in unmittelbarer Nähe und die gleiche Anzahl in größerer Entfernung gesehen. Wenn der vierte Wal abgetaucht war, fuhr das Schiff meist zurück.

Seegang
Den Seegang im Nordatlantik sollte man nicht unterschätzen. Auch wenn keine Schaumkronen oder Wellen direkt erkennbar sind, werden die Schiffe heftig schwanken. Die Dünung vor der Küste hebt und senkt die Schiffe bestimmt 5 Meter, manchmal auch mehr. Bei der ersten Tour mit dem alten Walfänger, ist das Schiff zwischen den Wellen komplett „verschwunden“. Wenn man über die Reling schaute, sah man bis zur Mastspitze nur Wasser. Jeder der nicht „Seefest“ ist, sollte sich also gut überlegen, ob er das Geld fürs Ticket im Walcenter nicht lieber für Kalender und Bücher ausgibt. 😀

Der Seegang ist auch beim Fotografieren nicht zu unterschätzen. 🙂 War der Wal erst einmal aus dem Sucher verschwunden, musste ich die Kamera absetzen und den Wal suchen. Man sollte sich gut festhalten und beim Fotografieren oder Filmen fest gegen ein Geländer oder die Reling stemmen. Ich habe es ein paar Mal erlebt, dass Leute gestürzt sind und ohne Hilfe nicht mehr aufstehen konnten. In 2012 musste der Kapitän das Schiff sogar stoppen, damit eine Bus-Touristin (mit hohen Schuhen) aus der Reling befreit und wieder auf die Beine gestellt werden konnte.
Ganz wichtig sind für mich, rutschfeste Schuhe, Winddichte Kleidung, Mütze und Handschuhe. Es waren bei jeder Tour Leute dabei, die sich nicht mehr richtig festhalten konnten, weil die Hände steif gefroren waren. Außerdem ist es ärgerlich, wenn man sich im Schiffsinneren aufwärmen muss, während draußen Wale zu sehen sind.

Schiffe

In 2012 gab es auch Touren mit dem Anbieter Seasafari. Hier hatte ich den Eindruck, dass sie warten bis das Boot von Whalesafari einen Wal entdeckt hat, um dann mit ihrem Speedboot hinzu zu stoßen. Allerdings hielten auch sie großen Abstand zu den Walen.


Von Stø bietet Arctic Whale Tours Ausflüge mit der MS Leonora und anderen Schiffen. Meist wird die Tour mit der Umrundung einer Vogelinsel verbunden. Das Zielgebiet ist jedoch ebenfalls der Bleikcanyon bei Andenes.


Von Andenes läuft die Maan Dolphin und die MS Reine zu den Walen aus.


Die echten Walfänger liegen auf den Lofoten vor Anker.


Wer genau hinschaut, entdeckt vielleicht sogar Walfänger bei der Arbeit! Nach dieser „Entdeckung“ ist unser Schiff sofort ein paar Kilometer weiter weg gefahren. 🙂
An der Westküste von Andoya kann man ab und zu auch angeschwemmte Teile von zerlegten Zwergwalen finden.


An der Westküste der Lofoten liegen auch einige große Walknochen.

Soweit meine Ausführungen zur Walsafari in Norwegen. Die Fotos sind übrigens in 2010, 2011 und 2012 entstanden.

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Ein Kommentar

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  1. Hallo, alle deine Norwegen Reiseberichte gefallen mir besonders gut, besonders der Bericht „Im Winter auf die Lofoten“ . Kannst du vielleicht etwas du deiner Fotoausrüstung schreiben ?

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