Herbstreise zum Nordlicht

Lofoten im Herbst – Postschiff • Nordlicht • Moschusochsen

Wer es schon einmal erlebt hat, der weiß welche Faszination Aurora Borealis auslösen kann. Das Nordlicht!
Genau DAS soll im Herbst 2017 das Ziel unserer Herbstreise mit dem roten Bus sein. Ich hatte schon mehrfach das Glück, die tanzenden grünen und roten Lichter am Himmel zu sehen und möchte sie jetzt meiner Frau zeigen.
Etwas Glück gehört dazu, wie ich im Jahr 2011 bei meiner ersten Reise zum Nordlicht erfahren musste. 6000 Kilometer mit einem gemieteten Campingbus zurückgelegt und wegen dichter Bewölkung dann doch kein Nordlicht gesehen.

Unser Ziel sind die Lofoten und bei der Anreise aus Deutschland habe ich mich an meiner ‚Winterreise zu den Lofoten‘ orientiert.

  • Kiel – Göteborg mit dem Schiff von Stena Line,
  • eine Übernachtung im Bus,
  • Trondheim – Svolvaer mit dem Postschiff MS Kong Harald,
  • dann fünf Nächte auf den Lofoten im Bus.
  • Retour zwei Nächte auf dem Postschiff MS Kong Harald,
  • eine Nacht im Bus
  • und als Abschluss Oslo – Kiel mit Color Line.

Sollten wir kein Nordlicht sehen, kommt Frau wenigstens in den Genuss einer Art Patchwork Kreuzfahrt. 😉

Tag 1
Die A7 macht in die letzten Wochen hauptsächlich durch Staumeldungen und Unfälle von sich reden. Zu Beginn der hessischen Herbstferien wird dies besonders kritisch sein. Damit wir unser Schiff um 18:15 Uhr in Kiel sicher erreichen, müssen wir unbedingt vor 12 Uhr auf die Piste.
Es gibt ein paar Staus und Regenfälle, aber die kosten nicht allzu viel Zeit. Anscheinend fahren wir vor der großen Verkehrswelle her, denn nach uns kommen im Radio dauernd neue Meldungen über kilometerlange Staus und erhebliche Zeitverzögerungen. Wir sind überpünklich in Kiel, können noch tanken und einen Happen essen. Dann geht es bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein auf die Stena Germanica und ab in die Kabine. Der Urlaub kann beginnen.





Tag 2
In der Nacht war die See etwas unruhig, aber trotzdem sind wir um halb acht schon gemütlich beim Frühstück und können ganz in Ruhe Rührei, Speck, Fischspezialitäten, Pfannkuchen, frisches Brot, Brötchen, Marmelade, Käse, Kaffee, Kakao und Saft genießen. Der Himmel ist noch bedeckt, deshalb lasse ich mal die Fotos von der Fahrt durch die Schären ausfallen.


Um 9:15 h legt das Schiff in Göteborg an und 10 Minuten später sind wir ohne Einreisekontrolle schon auf der Straße nach Norden unterwegs! Das Wetter ist noch nicht so schön, aber im Laufe des Tages soll es ja aufklaren.

Die Straßen sind frei, der Bus schnurrt und wir kommen problemlos durch. Zwei Stunden später sind wir an der norwegischen Grenze – wo wir prompt rausgewunken werden!
Die Grenzer haben bestimmt Langeweile oder interessieren sich für rote VW California’s. Die junge Dame vom Zoll schaut zunächst flüchtig in den Bus und fragt ganz erstaunt, ob wir dadrin auch schlafen…? Das Potti hält sie wohl für eine Vorratsbox und zuckt zurück, als sie den Deckel anhebt und erkennt, dass es eine Campingtoilette ist. Ich erkläre ihr noch, dass wir mit dem Bus immer kontrolliert werden und jedes Jahr als einzige rausgewunken werden. „Dann sehen wir uns ja im nächsten Jahr wieder“, sagt Sie und wünscht uns bis dahin eine gute Reise.

In Halden an der Touristinfo gönnt sich Frau ihr erstes Softeis dieses Jahr. Denn Softeis gehört für sie einfach zu Norwegen. Bei unserer Sommer-Tour durch die Finnmark hatten wir zu ihrer Enttäuschung nicht einen Verkaufsstand gefunden.
Wir fahren zügig weiter und machen auf einem neuen Rastplatz an der E6 mit Blick auf den Mjøsa See Pause. Die Sonne scheint so angenehm, da holen wir glatt Tisch und Stühle raus und rasten im Freien.

Vor Hamar verlassen wir die E6 und folgen dann bei Elverum der RV 3 nach Norden. Diese Route hat sich als gute Alternative zur E6 erwiesen, da keine Maut fällig wird, weniger Geschwindigkeitskontrollen vorhanden sind und das Dovrefjell nicht überquert werden muss.
Unsere Kaffeepause machen wir am Bjøråa rasteplass, beim größten Elch Europas… der ist über 10m hoch und glänzt silbern.

Hinter Atna verlassen wir die 3 und biegen links ab auf die 219. Das ist zwar ein Umweg, aber bei Hjerkinn möchte ich gern auf dem Parkplatz zum Aussichtspunkt Snøhetta übernachten – Frau ist etwas skeptisch, wegen des Wetters, aber ich bin erfreut – denn es hat geschneit!


Am Sohlbergplassen

Die Zufahrt zum Aussichtsberg lässt sich trotz festgefahrenen Schnees gut fahren und wir stehen ziemlich einsam dort oben mit tollem Ausblick über das Dovrefjell. Wir machen ein paar Fotos, essen zu Abend und machen noch mehr Fotos, als der Vollmond aufgeht.

Irgendwann bin ich durchgefroren und gehe zurück in den warmen Bus. Die Standheizung läuft die Nacht über auf kleiner Stufe durch. So lässt es sich auch bei -2 Grad und Wind im Dachbett aushalten 🙂

Tag 3

Zum Sonnenaufgang werde ich munter und bin ziemlich verschwitzt! Es war mit der Warmluft und der Wolldecke wohl doch zuviel des Guten. Wir frühstücken, packen, machen noch ein paar Fotos und sind kurz darauf auf der E6 nach Trondheim.

50 Kilometer vor Trondheim tanken wir, denn im Norden kann der Liter Diesel schon mal 50 Cent teurer sein. Mit dieser Tankfüllung brauchen wir auf den Lofoten nicht mehr zu tanken.

Das Postschiff legt um 12 h ab. Ist aber kein Problem für uns, denn wir sind schon vor 11 Uhr da und können auch gleich auf das Schiff. Wir checken an der Rezeption auf Deck 3 ein, stellen unsere Taschen im Gepäckraum ab und gehen noch mal raus für Fotos. Die Kabine ist vom Zimmerservice noch nicht frei gegeben, also haben wir noch etwas Zeit. Ich muss den Bus sowieso noch in den Frachtraum fahren und Frau schlendert derweil schon mal durch die ‚Kong Harald‘.

Als ich mit dem Bus vor dem Fahrstuhl zum Frachtraum warte, signalisiert Frau von der Reeling mit erhobenen Daumen und freudigen Gesichtsausdruck, dass die Kabine frei ist. Hurtigruten bietet bei Teilstrecken von Hafen zu Hafen keine freie Kabinenwahl an. Deshalb buche ich immer eine unspezifizierte Außenkabine mit eingeschränkter Sicht. Diese lagen bisher immer Mittschiffs auf Deck 5 oder 6 hinter den Rettungsbooten. Diesmal sind wir auf Deck 5, auf der Kai abgewandten Seite, haben ein Doppelbett, zwei Sessel, Wasserkocher, Becher, Kaffee und Tee, TV mit klarem Bild der Bugkamera und fast freie Sicht aus dem Fenster – also alles was das Herz begehrt.

Die Einfahrt in den Frachtraum ist zwar eng, aber schnell erledigt. Der Zündschlüssel bleibt stecken, dann wird der Bus vom Personal von allen Seiten fotografiert und weiter eingeparkt. Damit in den Häfen immer die richtigen Fahrzeuge vorne stehen, werden die Fahrzeuge nämlich während der Reise im Frachtraum umgeparkt.

Nachdem unser Gepäck in der Kabine verstaut ist, kochen wir uns ein Käffchen und genießen das Ambiente. Etwas später schlendern wir über das Schiff – denn für die Frau ist ja alles neu. Nachdem die erste Neugierde befriedigt ist, nehmen wir in der Kabine ein Mittagessen aus Brot, Wurst und Käse zu uns. Dann stromern wir getrennt los und fotografieren einfach so drauf los.


Am Nachmittag ruhen wir auf dem bequemen Doppelbett und schlafen prompt ein… Die Frau erkennt auf dem Bild der Bordkamera eine Ortschaft und weckt mich. „Verflucht, das ist Stokksund, da will ich doch Fotos machen“ und verlasse fluchtartig die Kabine.

Wieder zurück kochen wir Kaffee und genießen die Plunderteile, die Frau vorhin im Bistro geholt hat (die muss man Bissen für Bissen genießen, die haben über 4€ pro Teil gekostet).
Den Rest des Tages bin ich immer wieder mal an Deck. Ab und zu regnet es, dann scheint wieder die Sonne.

Am Abend legt unser Schiff in Rørvik hinter der MS Nordkapp an und wir können das Schiff verlassen, um zu fotografieren. Im Gegensatz zu den Fahrten im Winter wird jetzt nur sehr wenig Fracht verladen, deshalb sind wir schnell wieder an Bord und erwarten die Abfahrt.

Beim Abendbrot hält sich Frau etwas zurück, es ist leichter Seegang und sie spürt die Wellen. Aber bis zum Einschlafen ist die See wieder ruhig und die Kaugummis und Armbänder gegen Seekrankheit können im Koffer bleiben.

Tag 4

Es ist halb sieben, die Sonne geht auf und wir wollen gleich um sieben Uhr frühstücken. Das klappt auch, es ist schön gedeckt, das Buffett ist reichhaltig und wir futtern uns mit vielen kleinen Häppchen quer durch: Körnerbrötchen, Ei, Fischhappen, Käse, Croissant mit Frischkäse und Nuggati, Pancake mit Sirup und Schmand, Kaffee, Milch und Saft. Das sollte eine Weile vorhalten, denn um 12 Uhr müssen wir die Kabine räumen und bis um 21 Uhr irgendwo im Schiff ausharren.

Nach einer Stunde Frühstück schlendern wir noch ein Weilchen umher, Fotos von der Schiffsbegegnung machen, Karten schreiben, dann duschen wir, packen unser Zeug, trinken noch einen Kaffee und verlassen pünktlich die Kabine. Der Putzwagen steht schon im Gang bereit!

Die Reisetasche wird im Gepäckraum deponiert und wir suchen uns einen Relaxsessel im Panoramasalon. Die Frau wählt Sonnenseite, ist für sie wie Wintergarten, ich fühle mich auf dem drehbaren Sessel wie ein Brathähnchen. Um 12 Uhr legt das Schiff in Bodø an. Frau geht von Bord, ich bleibe mit den beiden Rucksäcken im Panoramasalon sitzen.

Nach einem Spaziergang und einem Bummel durch ein Einkaufscenter ist sie um halb zwei wieder an Bord, – mit zwei Plunderteilchen, die nur die Hälfte gekostet haben. Wir essen Brot, holen uns heiße Schokolade, naschen die Plunderteile, machen Fotos, lesen, schreiben, bearbeiten Bilder, dösen, kurz: verbringen die Zeit entspannt hinter der Scheibe in der Sonne. Findet Frau toll, mir ist es zu warm.
Das Meer ist spiegelglatt und allmählich wird es dunkel. Die Lofoten sind nicht mehr weit und unsere Schiffsreise neigt sich dem Ende zu.

In Stamsund verlassen viele Fahrzeuge das Schiff. Für die Passagiere, die Landausflüge gebucht haben, warten Busse an der Straße. Nach einer halben Stunde legen wir wieder ab zur letzten Etappe auf dem Postschiff. Bevor wir in Svolvaer einlaufen kommt uns das südwärts fahrende Schiff entgegen – aber es fährt ohne Extralicht oder tuten vorbei, genauso lautlos und unspektakulär wie unser Schiff. Richtig langweilig, – was war das für eine Show bei der Winterfahrt.

Wir schauen uns die Einfahrt in den Hafen von Svolvaer an und nebenbei lote ich die Übernachtungsmöglichkeit an der Hafeneinfahrt aus. Dann geht’s runter zum Autodeck. Der Bus steht schon parat, wir checken aus, – alle drei – denn der Bus hat eine eigene Bordkarte. Nach draußen geht es in einer 90° Kurve dicht an der Wand entlang und ab in den Fahrstuhl – uff, ist das eng!! Das passt mit dem Bus gerade so, wir fahren hoch und die Schranke geht auf, fertig. So schnell kann entladen gehen.

Vom Hafen fahren wir durch den Ort über die Brücke Richtung Kjeøya zu den Fischgestelle an der Hafenmole. Dort finden wir ein Eckchen für den Bus, da stören wir keinen – und keiner uns. Ein kurzer Spaziergang über die Mole unter klarem Sternenhimmel soll diesen Tag beschließen. OK, – danach mache ich noch ein Stündchen lang Fotos, bevor ich mich ins Dachbett zurückziehe und den Wellen lausche.

Tag 5

Als ich am Morgen aufwache und einen Blick durch das Seitenfenstern im Dachzelt werfe, geht gerade die Sonne auf. Der wolkenlose blaue Himmel kündigt einen schönen Herbsttag an. Nach einem gemütlichen Frühstück in der Morgensonne passieren wir ein „Kunstprojekt“: Einige Fischtrockengestelle hängen voller Plastikmüll. Dieser wurde unter anderem von den Passagieren und Mannschaften der Postschiffe an verschiedenen Stränden gesammelt und soll auf die Verschmutzung der Meere hinweisen.

Apropos Verschmutzung, jetzt muss der rote Bus erst einmal zur „Morgentoilette“, denn wenn es die nächsten Tage wirklich so schönes Wetter gibt, müssen die Spuren vom Streusalz des Dovrefjells runter. An der Tankstelle lerne ich, dass man das Waschprogramm lieber nicht mit Punkt eins startet, denn da kommt irgendeine sauteure Flüssigkeit gegen Teerflecken raus, die das eingeworfene Geld innerhalb von Sekunden aufbraucht. Nach einem kurzen Besuch im Einkaufszentrum machen wir uns auf nach Henningsvaer.

Im Henningsvaer parken wir am Sportplatz mit Kunstrasen und erkunden die Umgebung. Wir schlendern noch durch den Ort, dann suchen wir ein Eckchen für ’ne Pause und zum Angeln. Die Sonne scheint hell, es ist einfach traumhaft. Da macht es auch nix, dass die Fische nicht beißen.

Nach ein paar Stunden cruisen wir weiter durch die Landschaft und umrunden Gimsøya. Der Frau zeige ich die Stelle, an der ich mich im Februar festgefahren hatte. Leider finden wir hier keinen geeigneten Stellplatz, deshalb stellen wir uns an den ehemaligen Fähranleger an der Fv861. Ich habe auch hier kein Glück mit der Angel, also doch Brot und Dosenfisch. Wir vertreiben uns die Zeit mit lesen und so, denn heute soll es vielleicht Nordlicht geben!

So, jetzt hat die Frau das Wort:

Es ist schon lange dunkel, Wolken ziehen über den Himmel, aber der Mond scheint so hell, dass man die dunklen von den hellen Wolken unterscheiden kann…. hey, das ist Nordlicht!!
Ich ziehe mich in windeseile an (es ist kalt da draußen!) und schnappe meine Kamera samt Stativ – die Einstellungen an der Kamera habe ich schon im Bus gemacht -, dann kann es losgehen…
Also nochmal, – die weißen Wolken sind Nordlicht??? Okay, Probefoto. Das dauert eine Weile, lange Belichtung und Datenverarbeitung, dann ein Blick auf das Display – ha, da ist grün zwischen den Wolken! Ich habe Nordlicht fotografiert!! Vor lauter Aufregung vergesse ich fast, auch mal einfach so den Himmel zu beobachten, das ist schon ein tolles Erlebnis! Mit bloßem Auge sieht man zwar nicht allzuviel, die Intensität ist nicht sehr hoch, aber man kann durchaus erkennen, wo sich ein grünlicher Schimmer zeigt. Ich knipse wie wild und bin ganz aufgeregt, die Kälte ist fast vergessen, doch irgendwann wird es weniger am dunklen Firmament und ganz allmählich wandert das Licht um den Berg herum und die Wolken verdichten sich. Um 0:30 Uhr ziehen wir uns in den Bus zurück, wärmen uns und bereiten uns auf’s Bett vor – dabei bin ich noch ganz euphorisch!
Ich liege dann im Bett und gucke noch ein bisschen aus dem Fenster, erkenne hier und da grüne Spuren und schlafe irgendwann mit einem Lächeln im Gesicht ein.

So schön kann Nordlicht sein.

Tag 6

Was ein Lärm am frühen Morgen! Auf der Straße neben uns haben Bauarbeiten begonnen und ein Bagger rumpelt über den Asphalt. Wir stehen auf und frühstücken erst mal gemütlich. Um halb elf sind wir soweit und cruisen auf der 815 weiter Richtung Süden, halten an schönen Ecken an, fotografieren oder trinken Kakao und schauen uns die schöne Landschaft an. Auch die Kirche von Valberg muss ausgiebig als Motiv herhalten, danach geht es weiter Richtung Leknes.

Heute Abend wird es starkes Nordlicht geben, deshalb studiere ich bei einer weiteren Pause, für beinahe jede Bucht auf den Lofoten, die Wettervorhersage. Laut yr.no bilden sich die Wolken im Süden offenbar 1-2 Stunden früher, deshalb erhoffe ich mir im Norden bessere Chancen auf gute Sicht. Wir werden jetzt also bei dem schönen Wetter noch an den Strand von Ramberg fahren und danach wieder hoch nach Eggum.

In Eggum befinden sich die Reste einer deutschen Radarstation und genügend Platz zum Übernachten. Hier richten wir uns am Nachmittag häuslich ein und sind ganz allein. Ich versuche ein paar Wellen zu fotografieren, aber bevor diese fotogen von der Sonne durchleuchtet werden, verschwindet die Sonne hinter einer Wolkenwand.

Gegen Abend wird es voller hier, viele Spaziergänger mit Hunden, Touristen mit Mietwagen und ein paar Wohnmobile treffen ein. Es ziehen zwar ein paar Wolken auf und die Frau hat Bedenken, aber ich bin sicher heute Abend erfüllt sich unser Vorhaben.
Es ist immer noch der sechste Tag unserer Reise und heute ist die Nacht der Nächte!

Deshalb übernimmt hier wieder die Frau:

Wir essen Abendbrot und beobachten dabei den dunkler werdenden Himmel, es ist so gegen halb sieben, da ruft Gerhard plötzlich: „Da hinter dem Berg ist Nordlicht!“ Ich schaue in die angegebene Richtung und bin total fasziniert, da leuchtet es richtig hell über dem Berg. Ich werde ganz hektisch, der Tisch ist noch gedeckt aarrgh. Gerhard springt schon mal raus mit der Kamera während ich alles wegräume und mich dann warm anziehe und auch raus gehe (glücklicherweise habe ich schon die lange Unterhose und ein zweites dickeres Paar Socken an) .

Boah, das ist ein Anblick! Hier kann man einen dreiviertel Kreis in die Ferne sehen und dann sind noch die Berge im restlichen Viertel. Überall leuchtet es! Streifen, Flecken, Haken, Wellen, Kreise, Linien in unterschiedlich intensiven Grüntönen, ich weiß gar nicht, wo ich zuerst gucken soll!!!
Zwischendurch noch Fotos machen, die Einstellungen am Apparat kontrollieren und korrigieren – alles im Dunkeln und bei heftigen Windböen. Aber…. Ich habe Nordlicht gesehen und sichtbar fotografiert! Obwohl der Wind meine Kamera auf meinem wackeligen Stativ einmal umgeschmissen hat – glücklicherweise war sie aus, denn es war gerade nur wenig Nordlichtaktivität und sie ist im Gras gelandet – habe ich einige nette Aufnahmen hingekriegt…

Nach gut zwei Stunden ist mein Akku leer und ich gehe in den Bus, ein bisschen aufwärmen, bibber. Meine rechte Hand und die Füße sind leicht unterkühlt. Dafür habe ich aber NORDLICHT gesehen!
Dann geht es auf zur zweiten Runde, genauso beeindruckend, mit aufgehendem Mond, einigen kleineren Wolken für interessante Effekte und wieder rundherum. Wenn es vor dir nachlässt, drehst du dich rum und guckst da weiter! Ich habe mich als im Kreis gedreht, den Hals verrenkt, die Kamera vor dem Wind zu schützen versucht, einige Bilder verwackelt in meiner Hast, tolle Motive festzuhalten… Es hat sich gelohnt!

Irgendwann wird das Licht schwächer und wir beenden das Abenteuer. Der Wind wird stürmischer, Gerhard will trotzdem oben im Dachzelt nächtigen. Hoffentlich weht er nicht weg! Die Heizung läuft, also guten Schlaf!

Ich habe wunderschöne Bilder, finde ich. Gerhard meint mit einem schrägen Seitenblick: „Sind ganz okay.“ Und murmelt dann mit Blick auf meine Fotos vor sich hin, er würde sich auch so eine kleine Kompakte zulegen, wofür der ganze Aufwand mit mehreren Objektiven und so…
Zufriedenheit ist ein sehr angenehmes Ruhekissen.

Hmm, Nordlicht – das perfektes Timing, oder einfach nur Glück.

Tag 7

Wie in der Wettervorhersage angekündigt, regnet und stürmt es im Laufe der Nacht. Der Regen lässt am Morgen nach, der Wind nicht. Wir stehen spät auf, frühstücken mit Ei und beglückwünschen uns zu der erfolgreichen ‚Reise zum Nordlicht‘. Nun können wir entspannt die restlichen Tage genießen. Wegen dem starken Wind stelle ich den Bus mit dem Heck in den Wind und in einer kurzen windschwächeren Phase bauen wir das Calicap (Regenhaube) ab. Aber zusammen legen ist nicht, wir können die riesige Plane gerade so zusammen knüllen und in den Bus stopfen. Das Dach muss für das Abnehmen des Calicap etwas eingeklappt werden, normalerweise ist das kein Problem, aber heute bläst der Wind das Dach gleich wieder auf. Ich versuche das Klappdach zu schließen, aber es geht nicht zu! Oh Schreck, etwa das Gestänge verbogen? Nichts zu sehen, hmmm…ohweh, da klemmt ein Stück Zeltbalg zwischen dem Gestänge fest – Sch…! Der Wind klappt das Dach wieder auf, der Stoff ist frei, aber bei genauerem Hinsehen entdecken wir ein ca. 5 mm großes Loch! Ich bin echt stocksauer. Nur mit größter Mühe können wir das Dach bei diesem Wind schließen. Dann fahren wir erst mal weiter und suchen ein windstilleres Plätzchen, das Calicap muss noch zusammen gefaltet werden.

Der Tag scheint nach dem Missgeschick mit dem Dach eh gelaufen und geplant war für heute eh nichts. Es ist bewölkt und ein paar Tropfen Regen fallen auch hier und da, deshalb verlassen wir die E10 und folgen einer Gravelroad in Richtung Sandøya. An einem kleinen Damm mit guter Rundumsicht und weit genug weg von Häusern bleiben wir stehen. Wir haben jetzt beide Laptop oder ähnliches auf dem Schoß und sortieren Bilder. Irgendwann gegen zwei gibt es ein Süppchen und später einen Kaffee ohne Plunderteile (aber ich finde noch zwei alte zerkrümelte Kaffeekekse im meinem Fotorucksack).

Der wolkenverhangene Himmel wird dunkler und wir gucken entgegen aller Wahrscheinlichkeit nach Nordlicht. Die Wolken schimmern teilweise grünlich, also ist Nordlicht da, aber nur sehr schwer zu unterscheiden von helleren Wolkenschleiern vor den dunklen Wolken! Wir machen noch ein paar Fotos, aber kein Vergleich zu gestern!! Allerdings fasziniert die Frau dieses Licht schon und hätte sie gestern nicht so ein fantastisches Lichtspiel gesehen, dann wäre sie heute auch gebührend beeindruckt. Einfach weil der Himmel leuchtet!

Wir bleiben hier und richten uns für die Nacht ein – diesmal schlafen wir beide unten. Ich bin immer noch böse mit dem Dach.

Tag 8

Also heute ist die Sonne da, nur noch nicht bei uns, da stören noch ein paar Wölkchen. Egal, es ist trocken und nach einem gemütlichen ausgedehnten Frühstück und diversen Fotos gondeln wir weiter über kleine schmale Nebenstraßen Richtung Svolvear. Im ‚REMA1000‘ holt die Frau etwas Brot, Reker, Brötchen und Plunderteilchen, dann fahren wir zum ‚ Austenfjord‘ – Parkplatz, da hat man eine schöne Aussicht und vielleicht sehen wir Seeadler.

Die Sonne scheint vom leuchtend blauen Himmel und wir machen Mittagspause – mit Tisch und Stühlen vor dem Bus! Das Dach ist aufgeklappt, weil ich mir das Malheur mal genauer ansehen möchte. Naja, es ist nur ein kleines Loch im Zeltbalg, das man wahrscheinlich kleben kann.

Jetzt sitzen wir in der Sonne, genießen frische Brötchen mit Reker und werden plötzlich von einer Frau angesprochen; sie würde gerne mal einen Blick in unseren Bus werfen..? Die Dame spricht englisch, erklärt, dass sie aus New York sei und einen 40 Jahre alten Camper hätte, mit ‚Popup-Tent‘. Sie macht mit dem Handy ein Foto und meint, ihr Bruder würde bei diesem Anblick sicherlich ganz begeistert sein. Ob sie Nordlichter gesehen hat möchte ich wissen. Nein, hat sie leider noch nicht gesehen, denn am Mittwochabend war sie in Bergen auf dem Flughafen, – „ but everybody talks about them“.

Nachdem sie mit ihrer Reisegruppe wieder abgefahren ist gehe ich fotografieren und Frau räumt im Bus hin und her, auch schon für die Schiffsreise heimwärts. Plötzlich ist das Grollen zweier Jets zu hören und schon sind sie im Tiefflug über uns hinweg geflogen. Kurz darauf kommen sie quer aus einem Tal und verschwinden unterhalb der Berge wieder. Statt der Seeadler habe ich also F16 Jets fotografiert.

Am Nachmittag gondeln wir weiter nach Laukvik, denn dort wollte ich noch die leeren Fischgestelle fotografieren. Da es später regnen und stürmisch soll, suchen wir uns für die Nacht einen Platz am Morfjord. Kein Steinschlag hoffentlich und keine Springflut…

Tag 9

Boa, das war eine wüste Nacht, der Sturm hat den Bus gut durchgerüttelt. Aber diesmal war das Dach wieder zu, also alles halb so wild. Der Regen trommelt jetzt immer noch auf’s Dach.
Es ist ganz schön eng , wenn das Klappdach geschlossen ist und zwei Leutchen umeinander hüpfen. Bis das Bett weggebaut und man angezogen ist… (schon mal versucht, eine Hose zu schließen, wenn der Oberkörper nach vorne gebeugt ist?)
Vor dem Frühstück stelle ich den Bus anders in den Wind, sonst weht es uns den Kofferraum leer. Später geht es noch für letzte Besorgungen nach Svolvaer.

Wir fahren wieder aus der Stadt raus und finden einen Grillplatz nicht weit außerhalb mit Blick auf das Meer und die Stadt. Hier verbringen wir die restliche Zeit bis zur Verschiffung, essen ein Süppchen, machen ein Nickerchen, schreiben, fotografieren, kurz – relaxen.
Beim Blick auf die aufgewühlte See mache ich mir schon etwas Sorgen um die Frau, – sie ist nicht immer Seefest. Nachher soll sie auf jeden Fall duschen, solange das Schiff noch im Hafen liegt.

In der Dämmerung fahren wir rüber zum Anlegekai und warten im Sturmregen bis das Schiff einläuft. Dann geht es zum Anmelden zur Rezeption und wir bekommen die Kabine zugewiesen – bäh, 301! Das ist gleich hier auf dem Deck und zwar ganz ganz vorne, danach ist nur noch die Notausgangstür!

Ich gehe erst mal den Bus verladen, Frau orientiert sich schon mal in der Kabine:

Zwei Einzelbetten, eins davon eine Couch, sonst keine Extras: kein TV, kein Sessel, kein Wasserkocher oder passende Utensilien und der Hammer; kein Fenster! Aber dafür zwei Bullaugen mit 1,5 m Länge durch die Bordwand. Ist wie durch ein Fernglas gucken. Wir haben auf den Fotos nachgeschaut, über uns ist das Vordeck mit den Winden für die Taue und den Anker…
Irgendwann ist auch Gerhard da und er macht ein ganz besorgtes Gesicht:“ Das wird laut werden, man kann bestimmt die Wellen hören und die Winden und schaukeln wird es auch ganz schön heftig…“ (habe ich schon erwähnt, dass es stürmt?) Ich bin präpariert mit Armbändern und Kaugmmi gegen Reisekrankheit, das wird schon…

Wir duschen erst mal, solange dass Schiff noch im Hafen liegt, da schaukelt es weniger und man braucht sich nicht dauernd festhalten. Danach gehen wir an Deck und beobachten das Ablegen. Kaum durch die Hafeneinfahrt, kommen Wind und Regen heftig angefegt und das Schiff fängt an, sich zu bewegen – und nicht nur vorwärts! Mir geht es gut und darum essen wir Abendbrot, auch wenn Gerhard mir als mitfühlende Blicke zuwirft. Ich mache mich dann mal bettfertig, was gar nicht so einfach ist: durch das auf und ab wird die Stufe ins Bad eine echte Herausforderung! Ich ziehe die Armbänder an und kaue heftig Kaugummi. Im Liegen spürt man die Bewegungen gar nicht so dolle…
Die Wellen krachen wirklich heftig an den Schiffsrumpf, das hätte ich nicht gedacht und die Winden quitschen auch deutlich hörbar, aber es ist auszuhalten. Ich habe mich gerade von dem Geschaukel einlullen lassen, da gibt es einen HÖLLENLÄRM nebenan, wir sitzen beide aufrecht im Bett – der Anker wird runter gelassen! Bei dem Sturm braucht der Kapitän wohl jedes Hilfsmittel zum Manövrieren im Hafen.
Ich kaue fleißig mein Kaugummi und hoffe das Beste.

Tag 10

Wir überstehen die Nacht ganz wunderbar, gegen morgen ist es auch nur noch ein sanftes Wiegen der Wellen. Ich geht schon mal vor zum Frühstück, einen schönen Platz sichern, während Frau sich salonfähig herrichtet – sie sieht schon ein bisschen angespannt aus…
Der Souvenirshop wurde in der Nacht anscheinend auch umdekoriert.

Als wir vom Frühstück zurückkommen, war der Zimmerservice auch schon durch, Betten gemacht, Schlafanzüge zusammengelegt, alles paletti.
Wir genießen den Tag auf dem Schiff, schauen uns die Anlegemanöver an, warten im Panoramasalon auf die Schiffsbegegnungen und freuen uns bei Regen über das trockene Plätzchen.


Unser lärmender Kabinennachbar….


Rechts neben dem „D“ befindet sich unser Kabine.

Am Nachmittag ist etwas länger Aufenthalt in Brønneysund und wir stürzen mit den hundert anderen Passagieren in die geschlossene Stadt (es ist Sonntag). Ich mache ein paar Fotos, Frau sucht nach Kanaldeckeln mit Motiv. Am Hafen löffeln wir noch ein Eis und gehen dann zurück an Bord. Wenn das Schiff abgelegt hat, wollen wir noch mal raus, das Loch im Berg anschauen, also den ‚Torghatten‘ halt. Es regnet, ist wolkig und wegen einer Unwetterwarnug lässt der Kapitän die Runde um den Berg ausfallen. Auch gut, wir sind ja schon mal da hoch geklettert und haben es live gesehen.

Es ist jetzt kurz vor sechs und unsere Plunderteilchen warten. Mit so einem richtig leckeren heißen Kakao… pustekuchen, das Bistro hat schon zu und das Personal schiebt jetzt Dienst in der Bar. Ist wohl den Sparmaßnahmen von Hurtigruten geschuldet. Naja, essen wir die Dinger halt so im Sessel mit schöner Aussicht und ohne Kakao.

Der abendliche Halt in Rørvik wird auch nur auf das nötigste begrenzt, kein Aussteigen möglich, die Fahrt geht gleich weiter. Ich bin etwas verärgert, wollte ich doch Fotos von der MS Vesteralen machen. Dafür gibt es jetzt die Durchsage, dass der Kapitän jetzt schnell über die offene See möchte, um dem herannahenden Sturm zu entgehen. Die Passagiere werden gebeten, besonders vorsichtig zu sein und sich gut festzuhalten, es wird etwas schaukeln für ca. 2 – 2 1/2 h! Ein bisschen stärker wie gestern Abend, aber wir sollen uns keine Sorgen machen, denn das Schiff kann viel, viel, viel mehr aushalten als das was kommen wird. Achja, alle Außendecks dürfen ab jetzt nicht mehr betreten werden. Wer frische Luft braucht, darf eine bestimmte Türe im obersten Deck nehmen, aber den Bereich der hohen Außenwände nicht verlassen.

Die Frau macht sich schon mal bettfertig, zieht die Armbänder an und kaut ein weiteres Kaugummi. Kaum liegt sie im Bett, geht es auf und ab, die Wellen krachen gegen das Schiff (natürlich am lautesten vorne am Bug – erwähnte ich schon, dass wir die vorderste Kabine haben?) und mir fällt wieder der Notausgang ein… die Bodenluke vor unserer Kabinentür meine ich.
Irgendwann ist das geschaukel vorbei, es ist angenehm ruhig.

Tag 11

Rumps, quitsch, ratter, ah, wir sind in Trondheim und legen an! Wegen des starken Windes müssen wir jedoch an Pier 30 anlegen und nicht an Pier 1. Es ist noch dunkel draußen, kein Wunder morgens um sechs!
Ich springe gleich auf und gehe duschen, Frau döst noch ein paar Minuten, ist schließlich Urlaub…
Wir halten es wie gestern, ich gehe vor zum Frühstück, die Frau kommt dann nach. Diesmal ist es schon richtig voll, die Leutchen wollen wohl alle zum Landausflug.
Der startet um halb acht, wir sollen bis acht die Kabine räumen. Also zügig essen! Ich schaue zwischendurch immer mal aus dem Fenster, ob der Bus vielleicht schon raus gefahren wird. Bisher nicht. Auf unserem Weg nach unten blicken wir noch mal raus – da kommt er! Prima, nun können wir auch auschecken.
Gesagt, getan. Nach ein paar Abschiedsbildern sind wir um 8 h auf der Piste, glücklicherweise staut sich der Berufsverkehr in Gegenrichtung.

Wir fahren jetzt auf der E6 in Richtung Süden. In Lundamo, etwa 40 Kilometer hinter Trondheim, tanken wir, denn der Diesel ist hier 5 NOK günstiger als auf den Lofoten!
Am Dovrefjell halten wir einfach mal an, die Sonne kommt gerade raus und die Bergkulisse mit ihren weiß gepuderten Kuppen sieht schon sehr erhaben aus. Wir stehen an unserem ersten Übernachtungsplatz dem Parkplatz zum Aussichtspunkt Snøhetta und die Frau schaut mal mit dem Fernglas nach Moschusochsen, man weiß ja nie.

Während sie die fernen Hügel von erhöhter Position aus absucht, stehe ich etwas entfernt und fotografiere mit dem Weitwinkelobjektiv die Landschaft. In der Vergrößerung erkenne ich auf dem Kameradisplay tatsächlich vier Moschusochsen direkt vor uns.
Allerdings muss man schon wissen, wonach man Ausschau hält, denn in der herbstlich gescheckten Landschaft sind sie echt schwer zu erkennen, besonders, wenn sie liegen und sich nicht bewegen. Also eile ich für den Objektivwechsel zurück zum Bus. Auf Hinweistafeln wird übrigens ein Sicherheitsabstand von 200 Metern zu den Tieren angegeben. Aber nach meiner Herbstreise zu den Moschusochsen bin ich einigermaßen vertraut mit den Tieren.

Die Sonne verschwindet gelegentlich hinter Wolken und ab und an schneit es. Der Wind pfeift so eisig hier oben, dass ich mich irgendwann durchgefroren in den warmen Bus zurückziehe.
Auf dem weiteren Weg durch die Rondane Region legen wir immer wieder mal einen Halt ein.

Eigentlich wollte ich hier in Rondane übernachten, aber das Navi zeigt 3 1/2 h bis Oslo an und dies ist der Frau zu weit, schließlich müssen wir um 12 Uhr am Schiff sein. Also fahren wir weiter. Leider gibt es jetzt nur noch Rastplätze an der E6 – die sind uns aus Sicherheitsgründen nicht so genehm, also fahren wir etwas frustiert durch bis zum ‚Holmenkollen‘ in Oslo.
Die Sprungschanze ist angestrahlt und beleuchtet, das gibt zum Abschluss noch mal nette Bilder und auf dem Parkplatz unterhalb der Schanze kann man auch gut über Nacht stehen bleiben. Inzwischen hat der Regen eingesetzt, deshalb lassen wir auch heute wieder das Dach geschlossen.

Tag 12

Hier oben am Holmenkollen ist es immer noch wolkenverhangen und wir bleiben etwas länger liegen, denn wir haben ja Zeit. Die Nacht war sehr ruhig und auch jetzt sind nicht übermäßig viele Leute unterwegs.

Wir frühstücken und räumen noch die letzten Utensilien in den Koffer, dann geht’s vom Nebel verhangenen Holmenkollen ab Richtung Color Line Terminal. Hier fahren wir gleich durch die Schranke und der Typ im Kassenhäuschen fragt nur, ob wir ‚Gerhard und Petra‘ seien… äh, ja! Schon bekommen wir unsere Boardingcard und dürfen in der kurzen Schlange vor der ‚Color Fantay‘ warten.

Um 12 h geht es endlich auf’s Schiff, über Rampen hoch und durch echt schmale Tore. Der Fahrstuhl vom Autodeck zu den Kabinen ist passenderweise auch gleich mittschiffs und so sind wir ruck zuck auf Deck 10 in unserer Kabine. Wieder ein Bulaugenfenster, aber diesmal mit mindestens 1 Meter Durchmesser! Außerdem ein bequemes Doppelbett und eine Dusche. Später schlendern wir noch mal über das Schiff, das sich mit seinem Promenadendeck und der ansprechenden Schiffsausstattung schon von anderen Fähren abhebt. Bei den Außenaufnahmen fliege ich fast weg, so heftig weht es. Es schaukelt auch wieder deutlich und einige Wellen schlagen hoch bis auf Deck 11. Zurück auf der Kabine nimmt die Frau lieber doch ein Kaugummi und kuschelt sich ins Bett. Die Nacht wird hoffentlich nicht zu unruhig.

Tag 13

Die Nacht war dann doch ruhig, an der dänischen Küste entlang war die See nicht so stürmisch. Nach einem ausführlichen Frühstücksbufett packen wir unseren Krempel zusammen und gucken Landschaft, also Kieler Förde. Die Sonne scheint und um 10:25 h sind wir vom Schiff und auf dem Weg nach Hause.

Es gibt Stau bei Hannover, weil es von drei auf eine Spur verengt wird, später noch mal stockenden Verkehr, aber am Nachmittag sind wir Zuhause.

Das war also unsere ‚Jagd nach dem Nordlicht‘ im Oktober 2017! 😀 😀

Details zur Reise

Hurtigruten
Zur Planung der Reise habe ich zunächst die Abfahrtszeiten und Preise der Postschiffe geprüft. Dies lässt sich am besten durch Starten einer Buchung auf Hurtigruten.no machen. Die Buchung von Teilstrecken ist auf der deutschen Seite nicht mehr möglich. Unter „Havn til Havn“ die gewünschten Häfen eingeben, Personenzahl und – ganz wichtig – den Pkw auswählen. Dann den geplanten Reisemonat auswählen und schauen wann welches Schiff zu welchem Preis fährt. Für die Sommermonate ist nur eine kurzfristige Buchung möglich, wahrscheinlich weil Hurtigruten die verfügbaren Plätze für Rundreise Passagiere freihält. Wenn Pkw gewählt wurde, werden nur Schiffe angezeigt, die auch Fahrzeuge mitnehmen können. Die MS Vesteralen wird dann auch angezeigt, allerdings passen hier nur Fahrzeuge bis 1,80m Höhe in den Frachtraum. Auf den Seiten mit den Schiffsbeschreibungen findet man auch die Angaben zum Fahrzeugtransport.

Wenn die Termine ausgewählt sind, kann man die Kabinenkategorie wählen. Ich habe auf der Seite unzählige Probebuchungen mit allen möglichen Varianten durchprobiert. Die Preise variieren je nach Reisezeit und Auslastung der Schiffe und können sich täglich ändern.
Parallel dazu habe ich passende Termine für die Fähren der An- und Abreise gesucht. Sollten wir eine der Fähren verpassen, blieben als Rückfallebene noch die Brücken nach Schweden.

Nachdem die Termine feststanden, habe wieder ich auf der norwegischen Seite von Hurtigruten die Buchung vorgenommen. Die Buchung erfolgt in norwegisch und Bezahlung in NOK. Die Rechnung kommt in englisch per eMail. So war trotz Kreditkartengebühr eine Einsparung gegenüber der deutschen Seite von 25% möglich.

Es gibt in den Häfen kein besetztes Terminal oder so. Wenn das Schiff anlegt, geht man über die Gangway an Bord und checkt an der Rezeption wie in einem Hotel ein. Es werden Bordkarten für die Personen und das Auto ausgegeben. Das Fahrzeug fährt man über einen Aufzug selbst an Bord, danach gibt man den Schlüssel ab. Das Personal macht Fotos von allen Seiten des Fahrzeuges und rangiert es dann in den Frachtraum.

Am Zielhafen geht man in den Frachtraum und übernimmt das Fahrzeug (Der Schlüssel liegt auf dem Scheibenwischer). Dort werden dann auch die Insassen aus dem System ausgebucht. In Trondheim wurde der Bus vom Personal rausgefahren als wir noch beim Frühstück saßen. Der Schlüssel liegt dann an der Rezeption bereit. Die Besatzung im Frachtraum ist eigentlich sehr gelassen und unkompliziert, schließlich machen sie das mehrmals am Tag das ganze Jahr hindurch.

Kosten:
950,00 Euro ( 2 Erwachsene + Pkw, Trondheim – Svolvaer – Trondheim, 3 Übernachtungen, 2 Bett Außenkabine mit Sichtbehinderung, inkl. Frühstück) gebucht über Hurtigruten.no

Color Line
Die Buchung von Color Line für die Fähre Oslo – Kiel erfolgte auch über die norwegische Seite, was eine Ersparnis von 20 % brachte.
Kosten:
351,00 Euro (2 Erwachsene + Pkw, eine Übernachtung, *** Außenkabine, inkl. Frühstück) gebucht über colorline.no

Stena Line
Stena Line macht keine Preisunterschiede bei den Länderseiten.
Kosten:
302,00 Euro (2 Erwachsene + PKW, eine Übernachtung 2 Bett Außenkabine, inkl. Frühstück

Weitere Kosten
65,00 Euro Autobahnmaut Norwegen
253,00 Euro Kraftstoff

Übernachtung
Zunächst hatte ich auch Übernachtungen in Hotels, Hütten oder auf Campingplätzen vorgesehen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Lofoten, ähnlich wie Island, momentan sehr überlaufen sind. Campingplätze hatten nur noch ganz wenige geöffnet, freie Hotelzimmer fand ich mit 240 Euro pro Nacht viel zu teuer, ebenso wie Hütten oder Ferienhäuser. Wer also Alternativen zur Übernachtung im Cali sucht, sollte sich frühzeitig um die Unterkunft kümmern.

Für den Zugang zu neueren öffentlichen Toiletten auf Rastplätzen ist in Norwegen seit einiger Zeit eine Kredit- oder EC-Karte erforderlich! Die Türen lassen sich erst öffnen, wenn der Magnetstreifen der Karte ausgelesen wurde. Eine Abbuchung erfolgt aber nicht. Bestandteil dieser neuen Toilettengebäude ist auch eine kostenlose vollautomatische Entsorgungsstation für Kassettentoiletten. Die Nutzer des klassischen Potti’s schauen dabei in die Röhre, oder versuchen es in mehreren Durchgängen an den Vacuumtoiletten.

Fotografie
Die Fotos aus dem Reisebericht sind mit iPhone SE, Canon 5Dmk2 und Canon PowerShot G7x mk2 entstanden. Die Objektivbrennweiten an der 5D waren 17-40mm, 50mm, 24-105mm, 70-200mm und 150-600mm.

Nordlicht fotografieren
Meine Frau wollte vorab wissen, was Sie an Ihrer kleinen Kamera einstellen soll, wenn sie Nordlicht fotografieren will. Meine Zusammenfassung lautete: Modus „M“, ISO = hohe Zahl – maximal 800, Blende (F) = kleine Zahl und bei der Belichtungszeit (Tv)mit 15 Sekunden anfangen. Wenn Bild zu dunkel, länger belichten. Wenn zu hell, ISO kleiner oder Tv kürzer. Nach zwei Fotos hatte Sie den Bogen raus und die Ergebnisse mit Ihrer Kompaktkamera waren brauchbar.

Ganz wichtig ist ein Stativ, möglichst stabil. Damit man beim Auslösen nicht an der Kamera wackelt, kann man Fernauslöser nutzen, geht bei langen Belichtungszeiten und Weitwinkel aber auch ohne. Alternativ geht es auch mit den Selbstauslöser. Nicht vergessen: Bildstabilisator aus, Blitz aus!

Schwierig ist die Schärfeneinstellung bei Nacht. Der Autofokus pumpt hin und her und stellt dann trotzdem nicht scharf. Ich nutze dann folgende Methode: Mit einer starken Taschenlampe strahle ich einen entfernten Punkt an, damit die Kamera dort Scharfstellen kann. Dann wird die Fokuseinstellung auf Manuell umgeschaltet und die Kamera auf das Motiv ausgerichtet. Ganz wichtig! Zwischendurch immer wieder am Kameradisplay in der Vergrößerung kontrollieren, ob die Bilder scharf sind.

Wenn dann die ersten grünen Bilder in der Kamera sind, versucht die Belichtungszeit weiter zu verkürzen. Dann sind nämlich auch die feineren Strahlen des Nordlichts erkennen.


Belichtungszeit 29 sec


Belichtungszeit 8 sec

Hilfreich sind außerdem folgende Dinge:
Taschenlampe
Stirnlampe
Ersatzakku
Handschuhe
Warme Kleidung
Warme Schuhe.

Ich habe diese Reise wie immer selbst bezahlt und erhalte keinerlei Vergütung oder sonstige Vorteile durch die Nennung der Firmennamen. Daher sind hier auch keine Kodex für Reiseblogger erforderlich.
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