Lofoten 2019 – Vom Orkan getrieben /02

Tag 3

Am nächsten Morgen steht ein Truck direkt hinter mir. Den hatte ich in der Nacht gar nicht bemerkt. Das Thermometer zeigt plus 4 Grad und die Straße ist frei, also hätte ich doch oben auf dem Berg übernachten können.

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Auf der Fahrt nach Trondheim, inzwischen schon so etwas wie Routine, bringen nur ein paar Baustellen etwas Abwechslung. Auf denen wird sogar am Samstagmorgen voll gearbeitet!

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Als ich in Trondheim am St. Olavs Pier entlang fahre, kann ich die auslaufende MS Spitzbergen sehen. Erfreulicherweise liegt „meine“ MS Trollfjord noch am Kai und ich kann ganz in Ruhe meine Sachen packen. Nachdem ich die Kabine bezogen habe, muss jetzt nur noch der Bus an Bord. Das läuft aber wieder sehr unkompliziert, denn ich brauche beim Ladepersonal nur den Schlüssel abgeben, dann verschwindet der Bus im Laderaum. Ach ja, mit Winter wird das nix mehr, denn inzwischen sind es plus 12 Grad und es regnet.

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Die MS Trollfjord ist das größte Schiff bei Hurtigruten und unterscheidet sich im Erscheinungsbild deutlich von den anderen Schiffen. Das Schiff ist hell und die öffentlichen Bereiche sind etwas großzügiger, lediglich die beiden verglasten Fahrstühle wollen nicht so richtig zu meinem Bild von einem Postschiff passen.

Draußen auf den Außendecks bläst ein kräftiger Wind, der auch für eine bedrohlich wirkende Geräuschkulisse sorgt. Aber das ist ja auch das Spannende bei einer Winterreise mit Hurtigruten, draußen toben die Elemente und im Schiff ist es warm und mollig.

Auf dem Weg nach Rørvik müssen wir das Seegebiet Folda durchqueren. Dieser Abschnitt ist bekannt für starke Winde und ebenso heftigen Seegang. Daher ist auch die Durchsage, dass es in den kommenden Stunden heftige Bewegung im Schiff gibt, obligatorisch.

Wenn es draußen stockfinster ist und sich das Schiff hin und her bewegt, ist das Bett ein guter und sicherer Platz. Plötzlich gibt es einen heftigen Schlag und das Schiff neigt sich zur Seite. Alles was in der Kabine beweglich ist, kracht zu Boden, der Tisch fällt um, ebenso wie der recht schwere Sessel.

Du meine Güte, das war ja heftig. Ich springe schnell von der Couch, um die umher rutschenden Sachen in den offenen Koffer zu raffen. Dann kommt schon der zweite Schlag und ich rutsche durch die Schräglage auf allen Vieren, zusammen mit Tisch, Sessel, Fotoausrüstung, Getränken und allem, was jetzt auf dem Boden liegt, bis an die Bordwand. Das war ein ganz schöner Schreck, der meinen Puls in die Höhe bringt. Es kommen jetzt ein paar Lautsprecherdurchsagen, die ich als Code für die Besatzung interpretiere. Jetzt ziehe ich mich mal besser an und schaue was draußen los ist.

Im großen Atrium schlagen die Fahrstühle geräuschvoll hin und her und überall im Schiff ist es am knarzen und ächzen. Auf Deck vier und sechs flitzt Besatzung hin und her. Ab und zu sind auch Passagiere bei Ihnen, die sich offensichtlich verletzt haben. Auch im Panoramasalon, der bei der MS Trollfjord über zwei Stockwerke geht, schaue ich vorbei. Es ist stockdunkel wie im Kino, und nur wenige Sitze sind belegt. Mit den zwei kräftigen Suchscheinwerfern wird die See vor dem Schiff ausgeleuchtet. Die dunkle Wasserwand baut sich (gefühlt) immer wieder bis über das Schiff auf und ich muss sofort an Filmszenen aus „der Sturm“ mit George Cloony denken. Im Salon ist es mucksmäuschenstill, nur das schlagen der Wellen und das ächzen des Schiffes sind zu hören. Naja, nicht ganz, denn da sind auch noch die zwei Mitreisenden, die dem Seegang offenbar nichts abgewinnen können. Mit einem Mark erschütternden Röhren füllen sie die „Stormy weather bags“. Jeder Schwall in die aluminiumbeschichteten Tüten ist im gesamten Panoramasalon zu vernehmen. Die Armen.

Es sind jetzt etwa zwei Stunden im Sturm vergangen, als es ganz plötzlich ruhig wird und die Schiffsbewegungen kaum noch spürbar sind. Wir laufen in Rørvik ein, wo es am Kai zum Treffen mit dem südgehenden Schiff kommt. Im Winter ist es spannend, die Ladegeschäfte am Anleger zu beobachten. Die unterschiedlichste Fracht wird umgeladen. Frischer Kabeljau, Autoreifen, Isoliermaterial, Fischereibedarf, Fernseher, Baumaterialen, eben alles, was in der Region gebraucht wird. Hier lässt sich noch der ursprüngliche Auftrag der Hurtigruten erahnen.

Nach neuesten Planungen soll es ab Sommer 2019 keine Schiffsbegegnungen in Häfen mehr geben. Damit wollen sie auch das Hafenpersonal entlasten.

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Ein Kommentar

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  1. Eieiei, da bin ich aber mal gar nicht neidisch! Ich hätte mit Sicherheit auch die ein oder andere Tüte gefüllt…
    Gut, dass du nicht auf dem havariertem Schiff warst, das man in den Nachrichten gesehen hat!

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